Ein E-Voting-System für die Schweiz aus der Schweiz



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Ein E-Voting-System für die Schweiz aus der Schweiz 22.06.2020

Im Herbst 2019 hat die Post entschieden, das E-Voting-System für die Schweiz aus eigener Kraft weiterzuentwickeln. Inzwischen hat sie von der ehemaligen Technologiepartnerin Scytl die Rechte am E-Voting-Quellcode übernommen. Die Post wird den weiterentwickelten Quellcode veröffentlichen. Dabei setzt sie auf Transparenz und Involvement der Fach-Community.

Die Schweizer Kantone sehen bei ihrer Bevölkerung ein wachsendes Bedürfnis nach einer elektronischen Stimmabgabe. Als Service-public-Anbieterin nimmt die Post dieses Bedürfnis nach einem dritten Abstimmungskanal auf. Die Post ist im Bereich E-Voting seit 2014 aktiv. Ihr früheres System war in den Kantonen Thurgau, Neuenburg, Basel-Stadt und Freiburg bis 2019 erfolgreich im Einsatz. Seit letztem Sommer ist die Post daran, ihr neues System aufzusetzen.

Unabhängige Weiterentwicklung

Im Herbst 2019 begann der Verhandlungsdraht zwischen der Post und ihrer ehemaligen Technologiepartnerin Scytl zu glühen. Im April 2020 übernahm die Post schliesslich sämtliche Rechte am Quellcode, die für die unabhängige Weiterentwicklung notwendig sind. «Dank diesem Entscheid können wir den Kantonen künftig eine Lösung anbieten, die in der Schweiz für die Schweiz entwickelt ist», sagt Claudia Pletscher, Leiterin Entwicklung und Innovation bei der Schweizerischen Post.

Mit der unabhängigen Weiterentwicklung schafft die Post die Voraussetzung dafür, dass sie als bundesnahes Unternehmen die zahlreichen föderalen Eigenheiten der Schweiz bei der Entwicklung berücksichtigen und die hohen und spezifischen Anforderungen an ein Schweizer E-Voting-System noch besser erfüllen kann. Ausserdem signalisiert die Post mit diesem Schritt, dass sie die in der öffentlichen E-Voting-Debatte geäusserten Bedenken gegenüber der Rolle von ausländischen Lieferanten verstanden hat.

Kryptografisches Know-how stärken

Die Post will – über das E-Voting hinaus – eine einfache, sichere und vertrauenswürdige Handhabung von digitalen Informationen anbieten. Dies ist nur möglich, wenn Kryptografie eine ihrer Kernkompetenzen ist. Bei der Weiterentwicklung ihres E-Voting-Systems setzt die Post auf ihren langjährigen IT-Standort Neuenburg, den sie mit den dazu notwendigen Kompetenzen sukzessive aus- und aufgebaut hat.

Wissenstransfer und Aussensicht

Die Post entwickelt das E-Voting-System zwar unabhängig weiter, aber nicht allein. Im Gegenteil: Sie verstärkt die Zusammenarbeit mit Schweizer Fachhochschulen, Universitäten und Experten. Zudem bindet sie die IT-Community eng mit ein. «Wir wollen die kritische Prüfung des Systems für unabhängige Experten so einfach wie möglich machen, damit sie uns Verbesserungen melden können» sagt Denis Morel, Leiter E-Voting bei der Schweizerischen Post.

Mehr Transparenz, mehr Sicherheit

Die Post wird den Quellcode fortlaufend, iterativ und nachvollziehbar veröffentlichen. Zudem legt sie grossen Wert auf Transparenz. Mit verschiedenen Transparenzmassnahmen will die Post die Sicherheit des E-Voting-Systems Schritt für Schritt maximieren:

  • Definition und Umsetzung der neuen Offenlegung mit Einbezug der Kantone und Experten
  • Veröffentlichung eines kompilierbaren Systems
  • Verbesserung der Dokumentation und Auditierbarkeit des Systems
  • Möglichkeit, Urnengänge zu simulieren
  • Vereinfachter Zugang zum Code und eine Verschlankung der Nutzungsbedingungen

Kantone entscheiden über Einführung

Die Post rechnet damit, dass das neue System im Verlauf von 2021 so weit entwickelt ist, dass es die Anforderungen des Bundes vollständig erfüllt und für die Kantone einsatzbereit ist. Ob und wann die Kantone ihren Stimmbürgerinnen und -bürgern die elektronische Stimmabgabe zur Verfügung stellen möchten, entscheiden diese allein. Das neue E-Voting-System der Post wird schweizweit das erste System sein, dessen Stimmen vollständig überprüfbar sind (universelle Verifizierbarkeit).

Ein logischer Schritt

Dass die Post überhaupt auf das Thema E-Voting setzt, ist kein Zufall, sondern ergibt sich gewissermassen aus dem «genetischen Code» des Unternehmens. Seit mehr als 170 Jahren ist die Post dem Briefgeheimnis verpflichtet. Dieses transferiert sie mit dem E-Voting-System in die digitale Welt und kommt so einem Bedürfnis der Bevölkerung nach. So, wie die Post es in anderen Bereichen – zum Beispiel mit dem E-Mail-Verschlüsselungsdienst IncaMail, der ehemaligen SuisseID oder im Zahlungsverkehr – bereits seit Jahren erfolgreich gemacht hat.